back to the roots

Vorgestern war ich wieder einmal jung und wild, das heisst, ich tat so, als wäre ich es. Das fing schon auf der Fahrt zu der Freundin ein, bei der ich zum Nachtessen eingeladen war. Laut drehte ich die Musik (Red Hot Chili Peppers) auf und noch viel lauter sang ich mit. Schon fühlte ich mich wie 30. Mit Steppenwolf, den Doors oder Creedence Clearwater hätte ich noch weitere Jahre abziehen können, besonders mit „born to be wild“, aber es ging auch so. Als ich ankam, war ich etwa 25. Zum Glück nicht jünger, denn sonst hätte ich nicht bloss ein Glas Bier zum Essen getrunken, sondern neun Fläschchen. Bier, meine ich. Deshalb war ich noch stocknüchtern, als wir uns ins Auto setzten und weiterfuhren, in einen Club. Dort fielen noch einmal so drei, vier Jahre von mir ab. Ich merkte allerdings: Smalltalk kann ich auch in Jung nicht. Nur hab ich das früher nicht gemerkt, weil ich einfach noch ein bisschen mehr getrunken und noch ein paar mehr geraucht habe. Das wirkt dann auch gleich ein bisschen wilder und geheimnisvoller, als wenn man einfach so dasitzt und hölzern vor sich hin starrt.

Aber weil meine alten Freunde mittlerweile auch ein kleines bisschen verschroben und eigenbrötlerisch geworden sind, fielen meine Pinocchio-Attitüden nicht weiter auf und wir sassen fröhlich weiter da. Und genau wie früher gingen wir noch zu jemandem nach Hause und tranken Bier, nur mussten wir diesmal nicht still sein und artig flüstern, um Mama und Papa nicht zu wecken. Heute sind wir selber Mama oder Papa, manche von uns jedenfalls, und flüstern beim Spät-Heimkommen , um die Kinder nicht zu wecken. Wie doch die Zeit vergeht, dachten wir, und schauten verstohlen auf die Uhr. Denn trotz der wundersamen Verjüngungskur waren unsere Körper eben doch 38 geblieben oder 36 und waren um fünf Uhr morgens ziemlich müde. Und die Zellen weigerten sich standhaft, zuviel Alkohol aufzunehmen; es muss demnach wirklich so sein, dass die Vernunft mit den Jahren wächst und ich fragte mich, ob wir jetzt ein kleines bisschen weise und abgeklärt waren.

Insgeheim hätte ich aber liebend gern so viel Bier getrunken, dass ich sogar wieder einmal ein paar lockere Witzchen hätte machen können und wäre am anderen Morgen bis mittags um vier im Bett geblieben. Mit der Weisheit kann es also doch nicht so weit her sein. Auf dem Heimweg stellte ich jedenfalls listig das Autoradio ab, um nicht unversehens in die Pubertät zu kommen.


gelesen:


Michael Robotham
Sag, es tut dir leid


Simone Buchholz
Bullenpeitsche


John Williams
Stoner


Stephen King
Doctor Sleep


Paul Auster
Winter Journal

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Das CHAMÄLEON wechselt natürlich ständig die Farbe. Es läuft öfters rot an vor Wut wenn es wieder einmal an allem schuld sein soll, wird höchstens gelb vor Neid wenn es Reiseberichten anderer Leute zuhört oder ist ab und zu blau, weil es immer mal wieder die Luft anhalten soll. Der KLEINE BÄR ist mittlerweile gar nicht mehr sooo klein und muss derzeit hauptsächlich mit List und allerlei Tücke von seinem Nintendo Wii weg und zu den übrigen Freuden des Lebens hingeführt werden. Er verbringt gerne viel Zeit in seiner kuschligen Bärenhöhle und hält Schule für eine schlimme Verschwendung seiner Zeit. Der Bär ist von sanftem Charakter, aber ausserdordentlich eigensinnig. Und manchmal brummt er gehörig. Der KLEINE WOLF ist für jede Aktivität zu haben - ausser manchmal für Geschirrspülmaschine ausräumen. Er legt gerne weite Strecken zurück, auch in Wander- oder Schlittschuhen - und jagt unermüdlich nach süssem Naschwerk. Ab und zu knurrt er grimmig, heult wild und zeigt die Zähne. Macht aber gar nichts. Der LIEBSTE schliesslich ist eben einfach der Liebste. Meistens jedenfalls. Ferner wären da noch das überaus treue SCHLECHTE GEWISSEN. Und natürlich ERNST...

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