"Was liest Du gerade so?" fragte ein sozialpädagogisch geschulter Mensch kürzlich den Bären.
"Der weisse Neger Wumbaba.", antwortete der Bär.
Der Sozialpädagoge zuckte heftig zusammen.
chamäleon123 - 18. Jun, 13:01
Gerne würde auch ich interessant und klug reden können. Aber leider ist es so, dass ich nicht nur keine Rednerin, sondern nicht einmal eine Plauderin bin. Artig machen sich die Worte in meinem Kopf bereit, formieren sich zu Gedanken, Sätzen, Schlussfolgerungen – nur um dann kreuz und quer durcheinanderzupurzeln, wenn es darum geht, übers Sprachzentrum via Stimmbänder den Weg in die Aussenwelt zu finden. Ich verheddere mich in den Sätzen, verstricke mich in den Schlussfolgerungen und stolpere über jedes dritte Wort.
Ich will von einem Buch erzählen – und vergesse nicht nur Titel und Autor exakt in dem Moment, in dem ich ihn aussprechen will, sondern auch gleich wichtige Teile der Handlung. Ein Film? Zwar kann ich mich an Bruchstücke erinnern – aber: warum habe ich das jetzt gleich nochmal erzählt? Und Anekdoten aus meinem Alltag finde ich, kaum nehmen sie im Gespräch Gestalt an, für mich selber zwar durchaus bedeutungsvoll, aber für andere zweifellos so abgrundtief langweilig, dass ich sie innerlich gähnen sehe und mein Gegenüber starre Gesichtszüge kriegt vor Ungeduld.
Das kleine Glück ist zu banal zum Erzählen und wenn das grosse Glück im kleinen eingebettet ist, kann man das einfach nicht in Worte fassen.
Nicht, dass ich mich langweilen würde, wenn andere darüber erzählen. Blumen im Garten. Bereichernde Begegnungen. Einfache Dinge, die leuchten im Alltag. Stundenlang könnte ich zuhören. Aber wie schildere ich selber diese überhellen Lichtstrahlen? Das Lachen des kleinen Wolfes, wenn er etwas erzählt. Der Bär, wie er auf dem neuen Trampolin springt und glücklich aussieht. Ein Satz in einem Buch, der im Gehirn Musik und Bilder gleichzeitig generiert. Lilien, Glyzinen, Pfingstrosen im Garten. Der Liebste, der einfach da ist. Zusammensein mit Menschen, die einem wichtig sind.
Nichts, was man einfach so erzählen kann.
chamäleon123 - 7. Jun, 14:15
"Heute ist immer die Rede von Dingen, die wir noch nicht haben, während man von Dingen, die wir haben, überhaupt nicht mehr spricht. In so einem merkwürdigen Land lebe ich."
der chinesische Schriftsteller
Yu Hua in der online-
Zeit
chamäleon123 - 7. Jun, 12:43
"Du bist eine Spassverderberin", knurrt der kleine Wolf. Weil er duschen muss.
chamäleon123 - 7. Jun, 12:40
Es ist doch recht praktisch und so zeitsparend. Heutzutage kann man auch seine moralische Entrüstung, sein tägliches Quantum Betroffenheit oder das Portiönchen Anteilnahme an den Schicksalen der weniger Glücklichen und Zufriedenen auf unserer Welt einfach und mit wenigen Klicks erledigen. Man trägt sich auf facebook als Mitglied der "Mütter von Tiananmen" ein, kopiert weise Sprüche, am liebsten auf chinesisch, oder spendet online für Waisen aus Biafra, indem man auf ein buntes Banner klickt.
Solcherlei Gesinnungsbekundungen haben zudem den Vorteil, dass man nicht nur einfach so im Stillen und völlig unbeachtet Edles denkt, sondern auch seine in wenigen Monaten zusammengenetzten 87654 facebook- oder Blog-Freunde darüber in Kennnis setzt.
Persönlichkeitswerbewirksam sozusagen.
Das wohlgefällige und in möglichst bunten Farben changierende Bild einer interessanten, facettenreichen, gebildeten, interessierten, vielseitigen und achweissnichtwie wunderbaren Persönlichkeit will schliesslich unaufhörlich neu gestaltet und an die Bedürfnisse eines ebenso interessanten, facettenreichen, gebildeten, interessierten, vielseitigen und ochweissnichtwie wunderbaren Umfeldes angepasst werden.
Betroffenheit gehört da unbedingt mit drauf.
chamäleon123 - 5. Jun, 10:04
Truth and Lie
Truth and Lie went to the river for a bath. . .
Lie went out of the water first and stole Truth's clothes, Lie refused to return it to Truth.
The stubborn Truth will not put on Lie's clothes no matter what, so he walked home naked. . .
From then on,
People only see Lie wearing Truth's clothes,
and they can never accept the naked Truth.
gefunden bei: facebook-Gruppe "Tiananmen-Mothers" zum Gedenken an das Massaker auf dem Tiananmen-Platz am 4. Juli vor 20 Jahren.
chamäleon123 - 4. Jun, 13:02
"Und - was machst Du jetzt morgen beim Gwafför?", frage ich den Bären beim Gutenachtgespräch.
"Einen Kaiserschnitt", sagt er.
chamäleon123 - 3. Jun, 23:08
the one and only
Totemügerli
Wolf und Bär können es beinahe auswendig.
Und: dieser Bart!
chamäleon123 - 2. Jun, 22:43
"Der Schnulleredmund und der Holunderstaudenpascal marschierten einst spät am Abend, als
schon der alte Birkhahn durch das Schatteggmos rief, über die Wiese des alten Batzmeiers in
Richtung des kleinen Weilers Erpfenwil.(..)"
Na?
chamäleon123 - 1. Jun, 22:19
Das Lieblingswort des kleinen Bären ist jetzt "Nein!" und daran muss man sich erst mal so richtig gewöhnen. Bis jetzt hat er höchstens mal ein wenig gebrummt und meist einfach stillschweigend die Erledigung des von ihm Verlangten verweigert: Turnsack von der Treppe räumen, in der Schule an die Tafel, statt zum Fenster hinaus schauen.
Jetzt zeigt er Bärenzähne, schüttelt die langen Haare, kickt den Turnsack missmutig zur Seite. Das Bärchen lässt die Muskeln spielen, mustert einem mit kritischem Blick und sagt "Pha! Tu' ich nicht!", wenn man von ihm Dinge verlangt wie Schlagzeugüben, rasch mal Milch kaufen gehen, Zimmeraufräumen.
Alles völlig normal also. Schliesslich wird der Bär 12 und ist kein Teddy mehr.
Die Kunst bestünde jetzt darin, sich zu erinnern. An das eigene Zimmer, ans gar nicht emsige Klavieretüdenspiel, an maulende Momente. Leider ist es wie in den Trotzalterjahren, als kluge Erziehungsratgeber ebenfalls dazu rieten, Ruhe zu bewahren und milde zu lächeln, wenn sich das Kind zum 57654mal am Tag kreischend zu Boden wirft und geifernd Schimpfworte brüllt. Aber mit der milden Ruhe ist es so eine Sache. Auch knapp 10 Jahre später lässt man sich schneller auf die Palme bringen, als man "Also wirklich!" rufen kann -in diesem empörten Ton mit einem Hauch von Selbstmitleid. Man predigt und stemmt dabei die Arme in die Seiten.
Alles völlig normal. Sag' ich ja. Pha!
chamäleon123 - 29. Mai, 08:16