Aktuelle Beiträge

Alles, was recht ist,
aber kanadischer Joghurt ist durchaus lecker und von...
Lilli legt los - 4. Nov, 01:28
Teewurst ist eine streichfähige,...
Teewurst ist eine streichfähige, pastöse...
muellerto - 2. Nov, 06:46
Also bei Teewurst denke...
Also bei Teewurst denke ich sofort an Alice im Wunderland....
chamäleon123 - 1. Nov, 00:58
...wobei sich das Attribut...
...wobei sich das Attribut "gut schliessend" oft als...
chamäleon123 - 1. Nov, 00:57
Den kanadischen Joghurt...
Den kanadischen Joghurt hab ich mir ziemlich schnell...
muellerto - 29. Okt, 15:43

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Web Counter-Modul

Status

Online seit 1339 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 4. Nov, 01:28

RSS Box

Suche

 

daily soap

Donnerstag, 3. September 2009

plan b

Manche Dossiers aus Arbeit 3 darf ich ja ab und zu mit nach Hause nehmen, um sie dort in der Harmonie des häuslichen Alltags milde lächelnd zu vollenden. Das Dossier, das ich erst gerade vor wenigen Minuten zuklappte, wollte ich bereits am Mittwoch abschliessen. So lautete der akribisch präzise erstellte Wochenplan, der von Wolf, Bär und dem Liebsten immer wieder aufs Ärgste sabotiert wird. Zum Beispiel mit dieser Guerillataktik:
  • Mittwoch, 11 Uhr 55. Der Liebste ruft an, um zu melden, dass ein Schulfreund des Bären zum Essen kommt. Zum MIttagessen, notabene, och, er hats vergessen, mir zu sagen. Bloss, dass ich bereits 100 Kilometer weit weg im Zug sitze, unterwegs zu einem Termin für Arbeit 3,5. Die Sandwiches werden nicht reichen - und was, wenn sie das Haus anzünden?
  • Mittwoch, 14 Uhr. Das Dossier liegt auf dem Pult, das Haus steht noch. Mein Team Angel, das mich auch heute aus der Sandwich-Situation gerettet hat, ruft zur Besichtigung eines dringlichen Projektes. Das duldet keinen Aufschub, insgeheim bin ich dankbar für Ablenkung vom drohenden Dossier und dem sich türmenden häuslichen Chaos nach nur einem Morgen Abwesenheit.
  • Mittwoch, 16 Uhr. Der Liebste ruft an, er hat seine Bankkarte steckenlassen. Ob ich nicht rasch...? Ich lege wortlos auf.
  • Donnerstag, 9 Uhr. Ein weiterer Termin hält mich vom Dossier fern. Im Zug treffe ich frotzelnde Arbeitskollegen. Na, sagen sie, Heimarbeit. Ich mache gute Miene.
  • Donnerstag, 14 Uhr. Nach Pizza und Kaffee lamentiert der Wolf an seinen Hausaufgaben herum. Er findet das Leben beschwerlich. Ich auch. Wir sind verzweifelt.
  • Donnerstag, 15.30 Uhr. Team Angel holt den Wolf samt Aufgaben ab. Jetzt klappe ich das Dossier auf - mit rasenden Kopfschmerzen. War es das Verzweiflungsadrenalin?
  • Donnerstag, 16.15 Uhr. Der Bär kommt heim und schwenkt eine Prüfung. Mir schwant Übles. Tatsächlich: eine 3 in Französisch. Wir sind gemeinsam verzweifelt, ich drohe Massnahmen an und verstecke theatralisch die bereits seit 6 Wochen gesperrte Spielkonsole. Der Bär versteckt meine Agenda. Wir knurren uns an.
  • Donnerstag, 17.30 Uhr. Kopfweh, verdammt.
  • Donnerstag, 18. Uhr. Wolf holen, kochen, essen, Schlagzeug- und Gitarreübungsaktivitäten anordnen, Hygienemassnahmen überwachen.
  • Donnerstag, 21 Uhr. Die Nachbarin und ihr Mann klingeln auf ein Bier. Der Liebste stösst mit ihnen an, ich beisse mich stattdessen ins Dossier. Sie heucheln Anteilnahme.
  • Donnerstag, 23,59 Uhr. Fertig. Fix und.

Donnerstag, 30. Juli 2009

neoknigge

Werter Freiherr von Knigge

Spricht man eigentlich Bekannte, die einem auf facebook mit einer Freundschaftsanfrage überraschen, bei der nächsten Begegnung im realen Leben darauf an? Und wenn ja, was genau sagt man da, ohne a)plump b)anbiedernd c)sozial verschroben zu wirken?

Wenn ich mir die abschliessende Bemerkung erlauben darf: unser Leben, so scheint mir, wird durch die vielen Erfindungen, die unser Leben besser organisieren und damit wesentlich vereinfachen sollen, zunehmend furchtbar kompliziert.

Möglicherweise denke ich aber auch zuviel über derartige Dinge nach.

Mit vorzüglicher Hochachtung

Ihr

Chamäleon

Freitag, 19. Juni 2009

amen

Ich war ein wenig befangen. Würde mich der berühmte Hohepriester mit einem Blick aus seinen dunklen, geheimnisvollen Augen weihen? Und würde ich das Richtige tun? Schliesslich war es lange her, seit ich das letzte Mal eine Kirche betreten hatte. Und die komplizierten Rituale – der demütige Kniefall im richtigen Moment, die gemurmelten Antworten auf den feierlichen Sermon des Priesters und die korrekten Handzeichen – die angestrengte Konzentration darauf hatte mich schon als Kind von der vorgeschriebenen Besinnung abgehalten. Trotzdem liess ich mich von einem Besuch nicht abhalten – ich meine: die Lage! Der Ort! Die Stadt! Die Adresse nämlich adelte den Tempel um ein Vielfaches: mitten am Pariser Prachtboulevard Champs-Elysées.

Mit einem ängstlichen Blick zu den beiden grimmigen Messdienern an der Türe betrat ich also den Tempel. Und erstarrte in Ehrfurcht. Die Erbauer hatten keinen Aufwand gescheut, der hier praktizierten Religion mit irdischer Pracht zu huldigen: an den Wänden edle Natursteinplatten, zweifellos aus den entferntesten Winkeln der Erde an diesen heiligen Ort gebracht, am Boden erlesenste Materialien. Kostbare Lampen hüllten den riesigen Raum in feierliches Licht, unzählige Messdienerinnen und -diener bewegten sich mit andächtiger Geschmeidigkeit in den grossen Hallen und stiegen lautlos die sanft geschwungenen Treppen auf und nieder.

Schüchtern und wie alle anderen Besucher den Blick züchtig gesenkt huschte ich durch den Raum, nickte hier und da und lächelte bescheiden. Die Priesterinnen hinter den zahlreichen Altären lächelten zwar ebenfalls. Aber ich wusste von früher: hinter dem Lächeln lauerte Strenge. Und diesmal wollte ich nichts falsch machen. Ich trat also vor den Altar meiner Wahl. Sprach die Worte. Erntete einen missbilligenden Blick und dennoch war mir Erfolg beschieden. Ich beendete das Ritual mit einer symbolischen Kniebeuge, besiegelte meine Handlungen mit dem rituellen Getränk und verliess den Tempel, nicht ohne einen Blick zurück zu werfen.

Wie konnte ich je Zweifel hegen? Das hier verkörperte die machtvolle Religion unserer Zeit: der Glaube an die Macht der Kaufkraft, die unheilige kapitalistische Gier und die allumfassende ewige Macht der Werbung.
What else?

Mittwoch, 25. März 2009

kassensturz

Gestern vormittag rief mich eine Dame von meiner Familienkrankenkasse an. Sie fragte: „Benötigen Sie etwa eine neue Hausratversicherung?“ Ich schaltete blitzschnell. „Nein“, säuselte ich, „aber was wir wirklich dringend brauchen, ist ein neues Auto. Vielleicht mit einer entsprechenden, äh, Teilcasco...“ Sie biss sofort an. „Wir werden Ihnen“, sagte sie eifrig, „einige Offerten von unserer Kassengarage zukommen lassen. Samt adäquatem Versicherungsschutz natürlich. Wie steht es denn mit Ihrer Lebensversicherung?“ „Wenn Sie damit auf meinen Fahrstil anspielen...“, antwortete ich brüskiert.

Die Familienkrankenkassendame schaltete den Freundlichkeitsmodus gleich drei Stufen höher. „Wo denken Sie hin“, flötete sie, „wir schicken Ihnen einfach unser Spezialangebot für Sommerreifen mit. Und selbstverständlich ist der erste Ölwechsel gratis.“ „Hm.“ brummte ich nur. Das habe ich vom Liebsten gelernt, es funktioniert recht gut. „Kennen Sie eigentlich unseren Lieferservice für Bio-Gemüse?“, fragte die Dame tatsächlich fürsorglich, „Und seit zwei Monaten bieten wir auch sehr erfolgreich Wellness-Reisen nach Zentralkuba an. Gerade hätten wir da noch vier Plätze frei. Für unsere Versicherten sind die ersten zehn Tage gratis. Danach bezahlen Sie lediglich die Getränke.“

Ich sagte nochmals „Hm.“, leise hauchend diesmal. „Gerne unterbreite ich Ihnen ausserdem die Konditionen unserer sehr günstigen Kombi-Hypothek“, sagte die Dame eifrig. „Sie wohnen drei Jahre lang gratis, wenn Sie uns zwei neue Kunden vermitteln.“ Ich blieb ihr die Antwort schuldig, denn gerade war mir etwas eingefallen. „Wir hatten Keuchhusten“, sagte ich vorwurfsvoll, „trotz Impfung. Zahlen Sie eigentlich einen Teil der Antibiotikakur?“ Der Ton meines Gegenübers wurde sofort frostig. „Leider können wir da gar nichts machen.“ sagte sie. Und legte - zack - auf.

Dienstag, 3. März 2009

dark side of the ökobilanz

Ich sehe es ein: Energiesparlampen sind das Gebot der Stunde, es muss sein, es geht nicht mehr anders. Und frühmorgens ist es ja auch ganz nett, wenn die Lichtquelle nach dem Einschalten erst einmal sanft hochdämmert und nach gefühlten 875439 Minuten den Raum so weit erhellt hat, dass man die Hand vor Augen nicht mehr nur schemenhaft sieht.
Aber will man - gehetzt und mit der ellenlangen to-do-Liste des aktuellen Tages in der linken Hand - zum Beispiel nur mal so rasch einen Blick in den Spiegel werfen, bevor man das Haus für Arbeit 2 oder 3 verlässt, wird man von den sparsamen Lichtern voll ausgebremst. L a n g s a m wird es ein bisschen hell nach dem Drücken des Lichtschalters, dann ein kleines bisschen mehr, die Konturen werden ein wenig klarer und wann man ganz genau hinschaut, erkennt man tatsächlich, ob man die graue oder die schwarze Hose trägt und ob man sich schon gekämmt hat. Unterdessen sind aber mindestens 98799 Minuten vergangen, man gähnt und hat bereits 65 Punkte auf der Tagesaufgabenlise abgehakt, zwischendurch rasch das Lavabo geputzt und ein wenig Wäsche gefaltet, so weit sich das im Dämmerlicht erledigen liess. Wird es jetzt hell im Zimmer? Nein, es ist die Sonne, die mittlerweile im Zenit steht und längst ist es zu spät zum Arbeiten und um überhaupt das Haus zu verlassen. L a n g s a m wird es nun doch Licht, zu spät, man verliert die Geduld, droht der Sparlampe mit der Faust und dreht ihr rachsüchtig den Strom ab.
Erst im Neonlicht der Bahnhoftoilette entdeckt man zusammenzuckend, dass man zwei verschiedenfarbige Lidschatten aufgetragen hat und die Hosen drei Fettflecken haben. Das sind eben, denkt man resigniert, die Schattenseiten der Stromsparlampen. Zum Glück ist bereits Nacht. Und bis das Licht der Strassenbeleuchtung (Stromsparlampen!) endlich das Dunkel etwas erhellt, bin ich längst zuhause im Bett. Und knipse erleuchtet erleichtert das Licht aus.

Dienstag, 27. Januar 2009

wer gewinnt (l)

Der Liebste und ich spielen zur Zeit wieder einmal mit grosser Hingabe das unter Paaren beliebte und unter Elternpaaren sehr beliebte Spiel „Wer ist das ärmste Schwein?“. Sieger wird jeweils, wer am anschaulichsten demonstrieren kann, dass er unter der Last des Alltags nahezu zusammenbricht und dass schon das kleinste Fitzelchen Zusatzarbeit zuviel zu werden droht.
Der Liebste und ich - wir sind beide Meister darin. „Es wird mir alles zuviel“ stöhne ich etwa theatralisch nach einem Tag voller Arbeit 3, zur Zeit in der nervenzerreissenden Intensivphase kurz vor dem Abschluss. Mit gesenktem Kopf stehe ich anschliessend eine Weile in der Küche – und warte, bis der Liebste, vom Mitleid für die unermüdlich arbeitende Frau an seiner Seite übermannt, mir die Pastapackung aus der Hand nimmt und liebevoll sagt Komm, ich mach das. Ich warte vergebens. Der Liebste sitzt am Esstisch und liest Zeitung und gähnt. Das ist seine Art, mir dezent mitzuteilen, dass er schon seit viertelnachfünf morgens auf den Beinen ist und den ganzen Tag ebenfalls in einer nervzerreissenden Intensivphase verbracht hat. Dazu noch in einer wöchentlich wiederkehrenden.
Ein Punkt für ihn, höchste Zeit für die Haushaltskarte. Ich wechsle unter lautem Knistern den Abfallsack (obwohl er erst halbvoll ist) und wische den Küchenboden feucht auf. Dann schimpfe ich ein wenig mit dem Wolf und dem Bären, weil alles rumliegt und niemand ausser mir je in diesem Haus etwas wegräumt.
Jetzt steht auch der Liebste auf und sieht sich gequält um. Spielt er etwa den Kopfwehjoker aus? Zu spät, ich konnte schon vor Stunden mit heftigen Kopfschmerzen trumpfen, als er mich von Arbeit 3 abholte – dies zweifellos mit dem Hintergedanken, dass er dann nicht selber kochen muss.
Auch mein geschickt ausgespielter Kopfwehtrumpf versagt aber, ich koche trotzdem ohne seine Hilfe, scheppere ordentlich mit den Pfannen und lasse ein bisschen Pastawasser herumspritzen. Geschähe ihm recht, wenn ich mich jetzt auch noch verbrühen würde. Er repariert derweil mit stummem Vorwurf in der Miene (seine beste Waffe: das hartnäckige Schweigen) das Trottinett des Wölfchens und den Schulsack des Bären.
Schnell decke ich den Tisch, bevor er mir zuvorkommt und täusche einen heftigen Schwindelanfall vor. Leider beachtet mich niemand. Er liegt jetzt auf der Couch und hält sich den Kopf. Ha! Rasch erzähle ich von meinem bevorstehenden Einsatz bei Arbeit 1 – ein Job, den selbst der Bär mühelos erledigen könnte und der meinen Berufsstolz empfindlich trifft. Der Liebste nickt und rettet sich in einen Hustenanfall. Ermattet sinke ich in den Sessel neben der Couch. Heute ist mal unentschieden.

Samstag, 20. Dezember 2008

baumschmücken mit loriot

baumschmuck

Mittwoch, 3. Dezember 2008

klopfklopf.

Auch eingefleischte Astrologie-Spötterinnen kommen manchmal nicht umhin, über die Treffsicherheit mancher Deutungen zu staunen. Gründet eine jahrzehntelange Affinität zu Winnetou und dem Letzten Mohikaner etwa doch auf Seelenverwandtschaft?

Mein Totem ist der Specht





Was ist Dein Totem?

Sonntag, 2. November 2008

Bingo! Oder?

Kürzlich war ich an einer geheimen Versammlung. Im muffigen Untergrund einer sehr grossen Zivilschutzanlage trafen sich 563456 Frauen, teilweise waren sie vermummt, alle blickten sie sich nervös um und keine von ihnen sprach mit der Sitznachbarin. Auf einem Banner stand in blutroten Buchstaben „Die Rezession ist weiblich“ und Helferinnen des örtlichen Frauenvereins verteilten Plastikbecher mit schalem Wasser und Totenbeinli-Kekse - ein Sponsoringbeitrag eines Grossverteilers.

Sie sind uns nicht egal“ war auf jedem der länglichen Biskuits in aufwändiger Backglasur zu lesen und nachdenklich kratzte ich mit den Schneidezähnen so lange auf der Keksoberfläche herum, bis das „nicht“ prompt unleserlich geworden war. „Ach, egal“, dachte ich, biss zu und lauschte der Rednerin, einer Gewerkschafterin, die sich über gerade über variable Arbeitszeitmodelle und negative Vermögenseffekte sehr ereiferte. Niemand sonst hörte ihr zu, denn wir waren alle nur aus zwei Gründen gekommen: wegen der Fleece-Decken aus Armeebeständen, die am Schluss der Veranstaltung gratis abgegeben werden sollten und natürlich wegen des Stellenlottos.

37 Teilzeitstellen sollten verlost werden – eine Aktion des Sponsorpartners, der die so generierten Arbeitskräfte unter anderem an den Kassen und im Reinigungssektor einzusetzen versprach. Dies für einen Stundenlohn von 16 Franken 20 abzüglich Essenspauschale, aber niemand von uns murrte – ausser ein paar der Damen in der zweitletzten Reihe, die bis kurz vor der ersten Entlassungswelle wenige Monate nach dem Grossen Kollaps bei besagtem Grossverteiler an Kasse und Staubsauger gearbeitet hatten und damals immerhin etwas mehr als das Doppelte verdienten.
Insgeheim rechneten wir aber alle bereits heimlich aus, was wir mit dem Stundenlohn von 12 Franken 35 netto alles so kaufen könnten: Winterschuhe (12,5 Stunden Arbeit). Schmerzmittel (unverzichtbar, seit wir alle die Krankenkassenprämien nicht mehr bezahlen können). Knapp einen Liter Heizöl. Eine neue Jacke für das Kind (8 Stunden Arbeit). Oder ein bisschen an die Steuerschulden, denn auch der Staat braucht natürlich unser Geld ziemlich dringend, obwohl fast niemand mehr in der Lage ist, die Steuern zu zahlen, seit die Lebensmittelpreise so markant gestiegen sind. Aber 68 Milliarden sind ja auch kein Pappenstiel.

Tja, meine Damen, sagte der Personalchef, als er schliesslich mit der Urne voller Wettbewerbstalons auf die Bühne trat und ein Raunen durch die Menge ging, nicht alle können gewinnen, haha! Wir lachten artig mit, denn so ein erster Eindruck kann entscheidend sein, das wussten wir noch aus der Zeit vor dem Grossen Kollaps. Zu den Grossverdienerinnen gehörte auch damals keine von uns, aber wir klammerten uns an unsere Teilzeitpensen wie Koalajunge an ihre Bärenmama. Bis eben der Grosse Kollaps kam und - natürlich – bereits nach wenigen Monaten nahezu alle Teilzeitpensen als allererstes mit sofortiger Wirkung aufgehoben wurden. Da standen wir nun, wir Frauen, und staunten und begannen sofort damit, unsere Blumenrabatten zu Kartoffelanbauflächen umzuspaten und Kohlrabi im Frühbeet anzusäen. Unsere Kinder gewöhnten sich an kratzige, selbstgenähte Kleider und die Männer bekamen jetzt wieder als einzige ein Steak auf den Teller am Wochenende – schliesslich mussten sie plötzlich all die Arbeit selber erledigen, seit Sekretärinnen, Putzfrauen, Assistentinnen, Telefonistinnen, Empfangsdamen und anderen verzichtbaren Mitarbeiterinnen fristlos gekündigt worden war. Natürlich wurde der Lohn der Männer aber nicht erhöht, wie die Steuern und Krankenkassenprämien, sondern gesenkt. Sachzwänge, Sie verstehen, hiess es.

Deshalb eben das Stellenlotto. Natürlich waren solche Veranstaltungen illegal, wer erwischt wurde, musste 23897 Stunden als Reinigungskraft in öffentlichen Gebäuden abverdienen und das war auch der Grund, weshalb diese als einzige noch einigermassen sauber waren. Überall sonst starrte es vor Dreck. Klar, es gab die Militanten SauberFrauen (MSF), die in kleinen Trupps durch die Städte zogen und in einer eindrucksvollen Performance jeweils einen Quadratmeter irgendeiner Strasse, eines Trams oder eines Gebäudes blitzsauber putzen um so „auf saubere Art die Scherben des kapitalistischen Systems zu beseitigen“, wie sie euphorisch skandierten, umrahmt von wilden Kampfansagen an budgethörige Abteilungsleiter und unfähige Chefs. Aber die MSF konnte nicht überall sein und so war es eben dreckig.

Soo, sagte der Personalchef jetzt mit einem ersten Zettel in der Hand, wollen wir mal sehen, meine Damen, wer die Glücklichen sind, haha. Leider sahen wir uns gezwungen, erklärte er weiter und lächelte ein joviales Personalcheflächeln, das Salär etwas anzupassen. Der Budgetdruck, Sie verstehen. Wir verstanden schon lange nichts mehr, ehrlich gesagt, aber wir nickten pflichtschuldig. Der Personalchef las einen ersten Namen. Eine Frau kreischte hysterisch auf und wurde sofort von ihren vermummten Sitznachbarinnen mit scheelen Blicken zum Schweigen gebracht. Dennoch kreischte eine zweite Frau jubelnd, eine dritte, bis der Mann auf der Bühne 37 Namen verlesen hatte. Meiner war leider nicht dabei. Aber einmal würde auch ich Glück haben, dachte ich trotzig und beobachtete den Personalchef, der jetzt mit beiden Händen akkurat einzeln verpackte Tampons und Damenbinden in die Menge warf. Ich hob eine der kleinen Packungen auf und zerknüllte sie wütend, bevor ich einen Blick darauf warf. „Wir nützen Sie aus..“, hiess es darauf, ganz verschwommen. Ich wischte mir die Tränen aus den Augen, die mir aus lauter Wut gekommen waren, glättete die Packung und las erneut. Natürlich hiess es : Wir schützen Sie - aus Überzeugung!“

Ich ging langsam nach Hause. Schon übermorgen würde ja das nächste Stellenlotto stattfinden.

Dienstag, 21. Oktober 2008

immer so Entscheidungen

Wegweiser4
  • Demut oder Entschlossenheit?
  • Risiko oder Sicherheit?
  • Konsequenz oder ein-Auge-zudrücken?
  • Ernst oder Leichtsinn?
  • Genuss oder Kasteiung?
  • aufwärts oder abwärts?
  • lesen oder schreiben?
  • schlafen oder ausgehen?
  • denken oder tun?
  • reden oder schweigen?
  • durchbeissen oder kapitulieren?
  • direkt oder auf Umwegen?


be my guest

mailto: chamaeleon123@hotmail.com countonyou: X-Stat.de

Featuring:

Das CHAMÄLEON wechselt natürlich ständig die Farbe. Es läuft öfters rot an vor Wut wenn es wieder einmal an allem schuld sein soll, wird höchstens gelb vor Neid wenn es Reiseberichten anderer Leute zuhört oder ist ab und zu blau, weil es immer mal wieder die Luft anhalten soll. Der KLEINE BÄR ist mittlerweile gar nicht mehr sooo klein und muss derzeit hauptsächlich mit List und allerlei Tücke von seinem Nintendo DS weg und zu den übrigen Freuden des Lebens hingeführt werden. Er verbringt gerne viel Zeit in seiner kuschligen Bärenhöhle und hält Schule für eine schlimme Verschwendung seiner Zeit. Der Bär ist von sanftem Charakter, manchmal aber brummt er gehörig. Der KLEINE WOLF ist für jede Aktivität zu haben - ausser manchmal für Geschirrspülmaschine ausräumen. Er legt gerne weite Strecken zurück, auch in Fussball- oder Schlittschuhen - und jagt unermüdlich nach süssem Naschwerk. Ab und zu knurrt er grimmig, heult wild und zeigt die Zähne. Macht aber gar nichts. Der LIEBSTE schliesslich ist eben einfach der Liebste. Meistens jedenfalls. Ferner wären da noch das überaus treue SCHLECHTE GEWISSEN. Und natürlich ERNST...

(...)
aaaargh!
aha!
Bär & Wolf GmbH
Buchorakel
daily soap
eigentlich
Erinnerung an...
gelesen
getting older
HAHA!
moviestar
oh, my love
plusminus
remember...
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren