heute in technocolor
Das mit dem Farben wechseln wird uns Chamäleons übrigens mitnichten als nützliche Fähigkeit nachgesagt. Manche von uns leiden nämlich deshalb an einer chronischen Farbenwechselerschöpfung, die sich in einem blässlichen Dauerbeige manifestiert: Schluss mit knalligem Rot und spritzigem Grün! Der Farbenwechsel erfolgt in der Regel nicht gemächlich und nur in Notfällen, wie dies die Natur vorgesehen hätte. Nein: im Alltag wechseln wir gleich mehrmals täglich die Farbe komplett und dies nicht nur, wenn wir uns auch äusserlich unseren mannigfaltigen Funktionen perfekt anpassen wollen.

Ich etwa plaudere beim Einkaufen mit einer perfekten Hausfrau – kurz danach gehe ich gramerfüllt heim in unser chaotisches Eigenheim und schreibe sehr lange to-do-Listen, mit deren Hilfe ich all unseren Räumen in nur 76876 Tagen zur Zen-würdigen Klarheit verschaffen will. Freunde ich mich mit einer klugen Philosophin an, habe ich nach drei Gesprächen die nagende Gewissheit: ich weiss, dass ich nichts weiss. Und lese hektisch „Seneca für Gestresste“. Lese ich im Blog einer engagierten Politikerin, schwappt die Scham über meine dürftigen Anstrengungen für eine bessere Welt wie eine Welle über mich. Diskutiere ich mit einem emsigen Leser, plagt mich das Gefühl, die falschen Bücher zu lesen. Treffe ich auf eine vorbildliche Mutter, verzweifle ich über meine gelegentliche Ungeduld mit Wolf und Bär und wenn Frau Topfit die Strasse entlang joggt und mir topfit zuwinkt, nun..
Natürlich könnte ich all diese Gedankengänge einfach dem Schlechten Gewissen in die Schuhe schieben und auch Ernst hat wohl seine Wurstfinger wieder mal im Spiel. Aber in Wahrheit ist es eben typisch Chamäleon: immer flugs die Farbe wechseln und sich schön unsichtbar machen dabei. Da hilft wohl nur: Farbe bekennen.

Ich etwa plaudere beim Einkaufen mit einer perfekten Hausfrau – kurz danach gehe ich gramerfüllt heim in unser chaotisches Eigenheim und schreibe sehr lange to-do-Listen, mit deren Hilfe ich all unseren Räumen in nur 76876 Tagen zur Zen-würdigen Klarheit verschaffen will. Freunde ich mich mit einer klugen Philosophin an, habe ich nach drei Gesprächen die nagende Gewissheit: ich weiss, dass ich nichts weiss. Und lese hektisch „Seneca für Gestresste“. Lese ich im Blog einer engagierten Politikerin, schwappt die Scham über meine dürftigen Anstrengungen für eine bessere Welt wie eine Welle über mich. Diskutiere ich mit einem emsigen Leser, plagt mich das Gefühl, die falschen Bücher zu lesen. Treffe ich auf eine vorbildliche Mutter, verzweifle ich über meine gelegentliche Ungeduld mit Wolf und Bär und wenn Frau Topfit die Strasse entlang joggt und mir topfit zuwinkt, nun..
Natürlich könnte ich all diese Gedankengänge einfach dem Schlechten Gewissen in die Schuhe schieben und auch Ernst hat wohl seine Wurstfinger wieder mal im Spiel. Aber in Wahrheit ist es eben typisch Chamäleon: immer flugs die Farbe wechseln und sich schön unsichtbar machen dabei. Da hilft wohl nur: Farbe bekennen.
chamäleon123 - 13. Aug, 11:31