Dienstag, 3. Februar 2009

loriot-syndrom

Sehr geehrter Herr Knigge

Soll man Menschen, die vor einem stehen und einen Partikel von ekliger Konsistenz an der Nase, auf der Wange oder am Mundwinkel kleben haben, dezent darauf aufmerksam machen oder sich lediglich darum bemühen, nicht auf die betreffende Stelle zu starren um der Person die nachträgliche Peinlichkeit zumindest ein wenig zu erleichtern? Und wenn man eine Bemerkung zum Ekelpartikel machen darf: welche?

Hochachtungsvoll grüsst

Chamäleon (heute in dezentem Lindgrün)

Donnerstag, 29. Januar 2009

early-morning-scrabble

Wörter, die der Bär frühmorgens (6 Uhr 50) erklärt haben möchte:
  • Charisma
  • Groteske
  • Balance
  • Ironie
  • Drama
  • oberflächlich
  • Parapsychologie

Dienstag, 27. Januar 2009

...

goodbye Mr Rabbit!



Denn: "Literatur, die etwas taugt, erweist sich immer als Selbstdarstellung, aber Literatur, die bloß Selbstdarstellung ist, taugt nicht viel. Keiner wusste das besser als John Updike. Von autobiographischen Schriften wollte er nichts wissen, doch seine wichtigeren Arbeiten sind auf direkte und gleichwohl diskrete, auch gelegentlich trotzige Weise eben autobiographisch. Keine seiner Personen darf man mit dem Autor verwechseln. Aber sie alle sind Projektionen und Möglichkeiten desselben Ichs."
Marcel Reich-Ranicki in der FAZ

irre zügerin

Fast trau ich mich nicht mehr in die 9 Uhr 14 S-Bahn, in der ich seit ein paar Tagen ungewohnt regelmässig zu Arbeit 3 und 4 fahre. Gestern kicherte ich die ganze Streckse glucksend beim Lesen von diesem pooh . Eine junge Mutter rückte den Kinderwagen unwillkürlich etwas von mir weg und zwei Jungs mit Baggy-Jeans warfen mir scheele Blicke zu. Heute lachte ich alle anderthalb Seiten laut über dieses köstliche hier leserin und lächelte so beseelt beim Aussteigen, dass die Leute vor mir zurückwichen und ich das erste Mal den Bus um 9 Uhr 47 pünktlich erreichte.

wer gewinnt (l)

Der Liebste und ich spielen zur Zeit wieder einmal mit grosser Hingabe das unter Paaren beliebte und unter Elternpaaren sehr beliebte Spiel „Wer ist das ärmste Schwein?“. Sieger wird jeweils, wer am anschaulichsten demonstrieren kann, dass er unter der Last des Alltags nahezu zusammenbricht und dass schon das kleinste Fitzelchen Zusatzarbeit zuviel zu werden droht.
Der Liebste und ich - wir sind beide Meister darin. „Es wird mir alles zuviel“ stöhne ich etwa theatralisch nach einem Tag voller Arbeit 3, zur Zeit in der nervenzerreissenden Intensivphase kurz vor dem Abschluss. Mit gesenktem Kopf stehe ich anschliessend eine Weile in der Küche – und warte, bis der Liebste, vom Mitleid für die unermüdlich arbeitende Frau an seiner Seite übermannt, mir die Pastapackung aus der Hand nimmt und liebevoll sagt Komm, ich mach das. Ich warte vergebens. Der Liebste sitzt am Esstisch und liest Zeitung und gähnt. Das ist seine Art, mir dezent mitzuteilen, dass er schon seit viertelnachfünf morgens auf den Beinen ist und den ganzen Tag ebenfalls in einer nervzerreissenden Intensivphase verbracht hat. Dazu noch in einer wöchentlich wiederkehrenden.
Ein Punkt für ihn, höchste Zeit für die Haushaltskarte. Ich wechsle unter lautem Knistern den Abfallsack (obwohl er erst halbvoll ist) und wische den Küchenboden feucht auf. Dann schimpfe ich ein wenig mit dem Wolf und dem Bären, weil alles rumliegt und niemand ausser mir je in diesem Haus etwas wegräumt.
Jetzt steht auch der Liebste auf und sieht sich gequält um. Spielt er etwa den Kopfwehjoker aus? Zu spät, ich konnte schon vor Stunden mit heftigen Kopfschmerzen trumpfen, als er mich von Arbeit 3 abholte – dies zweifellos mit dem Hintergedanken, dass er dann nicht selber kochen muss.
Auch mein geschickt ausgespielter Kopfwehtrumpf versagt aber, ich koche trotzdem ohne seine Hilfe, scheppere ordentlich mit den Pfannen und lasse ein bisschen Pastawasser herumspritzen. Geschähe ihm recht, wenn ich mich jetzt auch noch verbrühen würde. Er repariert derweil mit stummem Vorwurf in der Miene (seine beste Waffe: das hartnäckige Schweigen) das Trottinett des Wölfchens und den Schulsack des Bären.
Schnell decke ich den Tisch, bevor er mir zuvorkommt und täusche einen heftigen Schwindelanfall vor. Leider beachtet mich niemand. Er liegt jetzt auf der Couch und hält sich den Kopf. Ha! Rasch erzähle ich von meinem bevorstehenden Einsatz bei Arbeit 1 – ein Job, den selbst der Bär mühelos erledigen könnte und der meinen Berufsstolz empfindlich trifft. Der Liebste nickt und rettet sich in einen Hustenanfall. Ermattet sinke ich in den Sessel neben der Couch. Heute ist mal unentschieden.

Montag, 26. Januar 2009

die herren bär

Sind sich eigentlich Harry Rowohlt und Niklaus Meienberg je begegnet?

rowohlt meienberg

Gerne wäre ich dabeigewesen.

Sonntag, 25. Januar 2009

remember...

...an die Überfahrt von Ancona nach Patras, wir waren zu viert und natürlich sehr aufgeregt und ein bisschen betrunken. Alle rauchten wir Camels, während wir in unseren Espadrille-Schläppchen über das Deck tigerten, eine von uns blieb immer beim Gepäck. Wir hatten einen guten Platz hinten in der Mitte, wo wir unsere Schlafsäcke ausbreiteten und schliefen, während die Fähre sich nachts durch die Mittelmeeer-Wellen pflügte; keine von uns war je in Griechenland gewesen, bisher waren wir nur bis zum Zeltplatz im Tessin gekommen, wo wir einmal beinahe in der Maggia ertranken, aber das ist eine andere Geschichte.
Unser Platz auf dem Schiff jedenfalls war sehr komfortabel, denn während sich anderswo auf dem Deck die Leute drängten, blieb es rings um uns angenehm leer. Als wir erwachten, weil uns am Morgen eine kühle Bise um die Nase strich, wussten wir sofort warum, sobald wir einander mit verschlafenen Augen anschauten: unsere Gesichter waren kohlenschwarz, auf unsere Decken und Tramperrucksäcke hatte sich eine dünne, pudrige Russschicht gelegt. Unser Platz war direkt hinter dem Schiffskamin.
Wir lachten sehr lange.

Freitag, 23. Januar 2009

halsvoll

Des Wölfchens Streptokokken stellen mich rein pflegerisch vor grösste Herausforderungen. Das kranke Kind soll ja, trotz periodisch auftretender Halsschmerzen, gesunde wenn auch leichte Nahrung zu sich nehmen, mahnt die einschlägige Ratgeberliteratur. Nur: Äpfel, Joghurt, Orangen oder Griessbrei erzeugen offenbar einen sofortigen und äusserst schmerzhaften Anstieg der Halswehintensität. Schon winzige Bissen würden ein krasses Brennen und Brechreiz (er benutzte ein anderes Wort, aber..) hervorrufen, behauptet der Wolf und spuckte sogar anschaulich ein Bröckchen ätzenden Säureapfel auf die Treppe. Wogegen scharfkantige Schokokekse und Cornflakes mit schneidend scharfer Zuckerkruste mühe- und widerstandslos den wunden Rachen heruntergleiten. Ein Rätsel.

was? was?

Pha, schweigen wollen, tagelang, dabei bin ich eine von denen, ja wirklich, die sich ständig wiederholen, wenn sie etwas erzählen wollen, und sich verzetteln in kleinste Fitzelchen von Nebengeschichten und zwischendurch immer mal wieder dumpf auf die Tischplatte starren und an den Fingernagelhäutchen rumzupfen, dann wieder sich räuspern und verlegen lächeln, weil: von was haben wir gerade eben geredet? Ach ja, so, und irgendwas wollte ich doch schon lange fragen nur hab ichs jetzt leider schon wieder vergessen und die Blicke des Gegenübers sirren längst wie giftgetränkte Pfeile haarscharf an meinem Kopf vorbei und ich verstumme verunsichert. Endlich.

Donnerstag, 22. Januar 2009

marktwirtschaft, freie

Sein Bestes geben
dabei überrascht merken
dass es immer weniger wert ist
und selten gut genug.

Mittwoch, 21. Januar 2009

tumatsch

Es ist ja nicht nur der Smalltalk gemeinhin, den man einfach nicht mehr bewältigen kann, das Gerede an Parties, mit einem Glas in der Hand und blubbernden Worten wie Schaum vor dem Mund. Es sind all die vielen tausend Worte, die es an einem ganz normalen Tag so braucht, die einem plötzlich schwer wie Bleiklötze von den Lippen fallen. Zu Boden. Man kann froh sein, wenn die Füsse nicht getroffen werden von diesen Wortklötzen, den Wortbrocken, den teerig-schwarzen. Zum Beispiel der Briefträger: er klingelt, will eine Unterschrift, macht ein Sprüchlein übers Wetter, man pariert flott mit einer Floskel über die kalte Bise. Geschafft. Aber da schrillt das Telefon, einmal, zweimal, siebenmal am Tag und alle wollen nur eines: reden, erzählen, abklären, beantwortet haben, sofort. Und manchmal muss man sogar selber telefonieren und nachfragen, sich erkundigen, etwas endlich regeln.

Mit dem Wolf und dem Bären geht das alles leicht. Sie brummen oder summen fröhlich, das Erzählte, Gefragte, Gebrüllte, Geflüsterte ist wie wohlriechende Luft, Seifenblasen, frisches Quellwasser, wenn auch manchmal kalt. Und die Antworten perlen aus einem heraus – obwohl nicht immer jemand zuhört. Vielleicht gerade deswegen.

Allerdings: es hängt nicht vom Grad der Zuneigung ab zum Gesprächspartner. Es ist, als würden Worte inflationär eingesetzt, sie springen einem von Plakatwänden an, quellen aus dem Fernseher, wimmeln auf Zeitungsseiten, Nahrungsmittelpackungen, Werbebotschaften. Man möchte diesem Irrsinn mit Klarheit entgegentreten, Worte sparsam einsetzen, manchmal nur eine Frage stellen, aus echtem Interesse und aus wirklich warmer Anteilnahme - und am Schluss hat man 765 Dinge gefragt und selber wieder vom öden Job erzählt und von den Bazillen der Kinder. Dabei: wer will denn das wissen? Ein Satz genügte, höchstens fünf, aber wir müssen ja immer ganze Blasen volltexten. Möglicherweise ist alles Unglück auf dieser Welt zu einem nicht unerheblichen Teil darauf zurückzuführen, dass wir nicht mehr zuhören können, weil wir einfach zu voll von allem sind.





smalltalk

statt filmtage in solör

KLAPPE!


gelesen:


Michael Robotham
Sag, es tut dir leid


Simone Buchholz
Bullenpeitsche


John Williams
Stoner


Stephen King
Doctor Sleep


Paul Auster
Winter Journal

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Featuring:

Das CHAMÄLEON wechselt natürlich ständig die Farbe. Es läuft öfters rot an vor Wut wenn es wieder einmal an allem schuld sein soll, wird höchstens gelb vor Neid wenn es Reiseberichten anderer Leute zuhört oder ist ab und zu blau, weil es immer mal wieder die Luft anhalten soll. Der KLEINE BÄR ist mittlerweile gar nicht mehr sooo klein und muss derzeit hauptsächlich mit List und allerlei Tücke von seinem Nintendo Wii weg und zu den übrigen Freuden des Lebens hingeführt werden. Er verbringt gerne viel Zeit in seiner kuschligen Bärenhöhle und hält Schule für eine schlimme Verschwendung seiner Zeit. Der Bär ist von sanftem Charakter, aber ausserdordentlich eigensinnig. Und manchmal brummt er gehörig. Der KLEINE WOLF ist für jede Aktivität zu haben - ausser manchmal für Geschirrspülmaschine ausräumen. Er legt gerne weite Strecken zurück, auch in Wander- oder Schlittschuhen - und jagt unermüdlich nach süssem Naschwerk. Ab und zu knurrt er grimmig, heult wild und zeigt die Zähne. Macht aber gar nichts. Der LIEBSTE schliesslich ist eben einfach der Liebste. Meistens jedenfalls. Ferner wären da noch das überaus treue SCHLECHTE GEWISSEN. Und natürlich ERNST...

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