Dienstag, 6. Dezember 2011

don't you dare!

Mit mittelgrosser Wahrscheinlichkeit arbeite ich nicht mehr bei Arbeit 3, wenn ich, sagen wir mal, 60 bin. Aber man weiss ja nie. Frauen sind die nach wie vor gummigste Manövriermasse des Wirtschaftssystems - je nach Wirtschaftslage wechselt die Parole. Es heisst zum Beispiel: Frauen - an die Kaderposten, Haushalt ist bäh! Oder: Frauen - an den Herd, Kindererziehung ist weiblich und Jobs sind rar! Oder gerne auch: Frauen - Teilzeitarbeit! Denn irgendwer muss ja Zeit für den Haushalt...ach, egal, wir werden sehen.
Sollte ich im Vorpensionsalter aber tatsächlich noch bei Arbeit 3 meine Fachkenntnisse einbringen, muss ich unbedingt einige Punkte beachten. Eine Gedankenstütze:
  • Ich soll höchstens einmal pro Arbeitsjahr den Satz sagen: "Das haben wir früher auch schon probiert und es hat rein gar nichts gebracht."
  • Ich darf allerhöchstens einmal pro zehn Arbeitsjahre den Satz ausrufen: " Ich kann mir nicht vorstellen, dass das funktionieren wird!"
  • Wenn mir kalt ist, ziehe ich eine Strickjacke an und drehe die Heizung hoch. Mittelalte Menschen, vor allem Frauen, empfinden die Raumtemperatur generell eher als hoch, ältere Menschen frieren tendenziell häufiger. Ein biologisches Problem und nichts, was man als ceterum censeo an jeder Sitzung 30 Minuten diskutieren muss.
  • Der Satz: "Aber früher haben wir doch das immer so gemacht und es lief wunderbar!" ist mir verboten.
  • Ebenso die Bemerkung: "Ihr werdet schon sehen." - mit oder ohne düstere Grabesstimme vorgebracht.
  • Ich werde mich zumindest bemühen, gegenüber noch Neueren Medien, Trends und Firlefanz aufgeschlossen zu bleiben - auch wenn deren Sinn und Nutzen bereits heute nicht immer einsehbar ist, geschweige denn verständlich. Merke: auch das Telefon war einst eine dieser überflüssigen und neumodischen Erfindungen.
  • Pfui gilt auch für: "Das haben wir schon oft diskutiert!" (ausser für Debatten um Raumtemperatur oder Kaffeesorte für die Kaffeemaschine)
  • Ich soll nie vergessen: Es gibt Menschen, die selbst jene Dinge besser können, die ich sehr gut kann. Man kann von ihnen lernen.
  • Ich darf auch nicht vergessen: Es gibt Menschen, die meinen, fast alles einfach von Natur aus besser zu können als ich, bloss weil ich dannzumal 20 Jahre älter bin. Man kann sie ignorieren. Aber sehr selten korrigieren.
  • Diese Liste wird laufend erweitert, zumal das Vorpensionsalter in immer höhere Altersstufen vorrücken dürfte...

Freitag, 25. November 2011

honestly!

Chamäleon (beim Fernsehgucken mit dem kleinen Wolf): "Soll ich morgen eine Frisur machen wie die da?
Wolf: Nein. Sieht sogar bei der voll Sch äh blöd aus.

Donnerstag, 17. November 2011

scheffel-studies

Eine empirische Untersuchung zu meinem Verhalten in Gesellschaft anderer Menschen ist dringend angesagt - nicht nur, was die Hausfrauenrolle betrifft. Allein oder mit den Raubtieren zu Hause bin ich durchaus sprachgewandt, das lässt sich in Selbstgesprächen, Gedankenwelten und Strafpredigten feststellen. Kaum bin ich aber in in freier Wildbahn, werde ich zur langweiligsten Person der Welt. Fragt mich jemand, was ich die letzten Tage so getrieben habe, sage ich: "Och. Eigentlich nichts." Lesestoff? "Nur so Krimi-Zeug." Projekte? "Hm. Mal nachdenken. Immer noch das Dingsda, aber ich bin noch nicht dazu gekommmen." Vor lauter Nichtstun und Selbstgesprächen?
Als ich kürzlich jemanden anregend und interessant über Annemarie Schwarzenbach erzählen hörte, nickte ich wissend. Ein anderes diskutiertes Buch hatte ich längst gelesen, besprochene Destinationen ebenfalls bereist oder schon lange im Visier. Aber würde ich je darüber reden? Never, allenfalls ein paar gestammelte Sätze oder flapsige Bonmots, die höchstens meinen Sitznachbarn zum Lachen bringen. Das nicht nur, weil ich eben eine Stammlerin bin und rhetorisch völlig unbegabt. Sondern weil ich tatsächlich davon ausgehe, dass alles, was ich zu berichten hätte (Reiseimpressionen, Bücher, Begegnungen) entweder ein alter Hut, politisch unkorrekt oder bereits hinlänglich bekannt ist. Ich würde nie etwas über Alexandra David-Néel erzählen, wenn gerade von Tibet die Rede wäre, sondern würde felsenfest davon ausgehen, dass alle Anwesenden bereits bestens darüber informiert sind. Seltsam, nicht? Denn es ist nicht so,dass ich meinerseits von anderen Erzähltes uninteressant finden würde, selbst wenn ich es bereits kenne. Im Gegenteil. Vielleicht sollte ich bei nächster Gelegenheit ein wenig über mein Hobby erzählen: mein Licht sorgsam unter den Scheffel zu stellen.

Mittwoch, 9. November 2011

genderhausmenschentag

Weil jetzt ohnehin nicht die richtige Jahreszeit ist um Kartoffeln zu pflanzen, bin ich jetzt mal so, ähm, Hausfrau. Morgen ist nämlich Gendertag, der früher Tochtertag hiess und jetzt Zukunftstag, weil sich die Söhne benachteiligt fühlten und Gender ja kein Schwein versteht. Am Zukunftstag jedenfalls kommt Noah (13) zu mir nach Hause, um mich im Hausfrauenalltag zu begleiten und darüber einen Bericht zu schreiben. Der arme Kerl. Er hatte es nicht leicht, überhaupt eine Hausfrau zu finden für dieses zukunftsträchtige Gleichstellungsprojekt und ehrlich gesagt war ich im ersten Moment sogar ein wenig gekränkt. Schliesslich habe ich noch zwei weitere Arbeiten, dachte ich, pff!

Aber ich habe ziemlich viel darüber nachgedacht, warum ich mich despektiert fühle durch diese Definition. Hausfrau. Blödes Wort natürlich, man denkt sofort an eine Schürze und einen dieser Staubwedel, wie sie nur Französinnen schwenken. Und es hat einen grässlichen Beigeschmack von 50-er-Jahre-Mief, ultrareaktionären Profimüttern und jenen Frauenseiten in Frauenmagazinen mit Bastel-, Deko- und Diättipps. Und das beliebe nicht wegen Frau Mikas Buch. Denn in Wahrheit sind wir doch alle Hausfrauen, auch die Männer. Wir haben schliesslich alle ein Zuhause, für das wir sorgen möchten, mehr oder weniger halt. Als Haupt- oder nebenberufliche oder Teilzeit-Zuhausemenschen also. Ausser wir bezahlen jemand Fremden, der für uns kocht, putzt, aufräumt, die Winterkleider aussortiert und die Schulaufgaben kontrolliert. Die Kränkung, dachte ich weiter, kommt wohl daher, dass ich mir das alles ein wenig konkreter vorgestellt habe mit der Aufgabenteilung. Dass Teilzeitarbeit für die meisten Berufsfrauen automatisch auch die Übernahme des quasi vollumfänglichen Haushaltes bedeutet, ist eine bittere Hausfrauenpille, an der ich manchmal noch immer würge.

Hausfrauentag also. Was für eine verlogene Aktion: die Gymnasiasten sollen die häusliche Arbeit wertschätzen lernen. Sie werden Akademiker, damit sie später mal jemanden bezahlen können, der (sic.) Nur: was werde ich Noah morgen für einen Tag präsentieren? Einen Hausfrauentag: morgen Bettdecke raus, lüften, Küche aufräumen, staubsaugen, einkaufen, kochen, KücheaufräumenWäschezusammenfalten BadputzenSchuhschrankausmisten AbstaubenHausaufgabenabfragenKochenKücheaufräumen WäscheaufhängenUff! Oder einen Chamäleontag: Fensteraufreissen, Kücheauf- raschArbeit2fertig, Wäschaufhängen, halt, die Kücheaufräumen zuerst, ein Telefon für Arbeit 3 erledigen, Küche endlich fertig, Bad putzen, dazwischen eine Idee für Arbeit 2 verankern, Himmel: was kochen? einkaufen, währenddessen ein weiteres Telefon, diesmal für Arbeit 2, staubsaugen, nein lieber erst kochen, Küche aufräumen, wegfahren zu Arbeit 3, drei Stündchen, wieder daheim Arbeit 2 noch den letzten Schliff geben, Ernst besänftigen, Hausaufgaben kontrollieren, Kochen, Küche...staubsaugen halt morgen und die Fenster, sind die noch offen?
Man wird sehen. Lieber Noah, Du zukünftiger moderner Mann, du wirst das mit der Rollenteilung hoffentlich besser machen, später mal.

Montag, 31. Oktober 2011

byebye 2!

Heute war er da. Fast ist er jetzt schon vorbei. Mein letzter Arbeitstag bei Arbeit 2. Ich bin jetzt frei. Frei von bezahlten Ferien, dreizehntem Monatslohn und Unfallversicherung. Aber auch frei vom schlechten Gewissen, jetzt doch eigentlich zu müssen, obwohl ich ganz was anderes will. Freiheit hat ja bekanntlich immer zwei Seiten: die bequeme, anschmiegsame und die scharfkantige, schneidende.

Natürlich habe ich Angst, wenn ich morgens um drei erwache und nicht mehr einschlafen kann, wenn ich an die Zahnarztrechnungen, die Ausbildungskosten, die Steuern und die neue Heizung denke. Aber andrerseits: wer weiss schon, was morgen ist, in ein paar Monaten, in einigen Jahren? Die Welt knirscht gerade ziemlich in den Angeln und da mache ich mir doch wegen ein bisschen weniger Arbeit und Geld keine Panikfalten.

Vielleicht sollte ich aber lernen, Kartoffeln zu pflanzen und Hühner zu schlachten. Man weiss ja nie.
So kitschig wie die Vorstellung von mir als Hühnerzüchterin kommen mir meine guten Vorsätze vor: Zeit für Freundschaften freizusetzen, die ich sträflich vernachlässigt habe. Einen Gang runterschalten, dieses Gehetzte, Hühnerhafte ablegen (ja, diese ruckhaften Bewegungen mache ich mit meinen Gedanken, ständig - blitz - wieder eine andere Idee, eine andere - blitz - Denksynapse). Ich war immer am arbeiten oder müde. Vielleicht wird das jetzt anders. Oder bald schlimmer - ich muss ja neue Arbeit suchen und bin nicht pensioniert. Leider. Ich ginge jetzt wirklich furchtbar gerne in Rente und hätte Zeit für die wirklich wichtigen Dinge.
Aber noch bin ich jung und brauche das Geld. Ich hab ja noch Arbeit 1 - auch wenn da kein monetärer Verdienst winkt. Und Arbeit 3 - das reicht zumindest für die Kontaktlinsen von mitterweile drei Familienmitgliedern samt Pflegemitteln und Optikerpauschale. Ein scharfer Blick in die Zukuft ist uns also immerhin gewiss.

Donnerstag, 27. Oktober 2011

slow down, you move too fast

Wenn einem die Chefin beruhigend den 59th St. Bridge Song vorsingt, sollte man vielleicht etwas weniger hektisch durch den Tag hetzen.

Mittwoch, 26. Oktober 2011

freiheit für die raubtiere!

wolf

Platz haben wir dafür * ja sogar in unserem sehr kleinen Land genug, nur einfach zuviele leckere, freilaufende Schafe in den Bergen.

* oben links anklicken, Unterschriftenbogen runterladen, ausdrucken, unterschreiben, zurückschicken und weitersagen. Man kann ja nicht ernsthaft Ressentiments gegen Wölfe und Bären hegen, oder?

Montag, 17. Oktober 2011

makrorevolution

Wolf und Bär sind gerade mit einem Freund draussen. Sie haben, ähm, ein Megafon dabei und tragen schaurige Halloweenmasken. Wahrscheinlich werden sie demnächst auch unbefugterweise den Parkplatz des Nachbargrundstücks betreten. Die Nachbarschaft wird sich empören. Ich schreibe aber seelenruhig weiter, statt sie wie sonst zuerst fünf Mal gelassen und dann drei Mal zeternd zu Ruhe und territorialer Ordnung zu mahnen. Denn: die Strasse unten am Hügel. Der fast unaufhörlich heulende Höllenhund nebenan. Der Laubbläser des Gemeindearbeiters. Die Stereoanlage des Nachbarteenagers. Alles Lärm, der kommt und geht. Nichts, worüber man ausflippen oder sich auch nur länger als 10 Sekunden ärgern sollte.
Aber: Himmelherrgottnochmal. Was bin ich immer beflissen, nicht anzuecken, niemanden zu stören, nicht aufzufallen, schön anständig zu sein. Ist ja alles gut & recht. Aber man kann es auch übertreiben damit.


gelesen:


Michael Robotham
Sag, es tut dir leid


Simone Buchholz
Bullenpeitsche


John Williams
Stoner


Stephen King
Doctor Sleep


Paul Auster
Winter Journal

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Featuring:

Das CHAMÄLEON wechselt natürlich ständig die Farbe. Es läuft öfters rot an vor Wut wenn es wieder einmal an allem schuld sein soll, wird höchstens gelb vor Neid wenn es Reiseberichten anderer Leute zuhört oder ist ab und zu blau, weil es immer mal wieder die Luft anhalten soll. Der KLEINE BÄR ist mittlerweile gar nicht mehr sooo klein und muss derzeit hauptsächlich mit List und allerlei Tücke von seinem Nintendo Wii weg und zu den übrigen Freuden des Lebens hingeführt werden. Er verbringt gerne viel Zeit in seiner kuschligen Bärenhöhle und hält Schule für eine schlimme Verschwendung seiner Zeit. Der Bär ist von sanftem Charakter, aber ausserdordentlich eigensinnig. Und manchmal brummt er gehörig. Der KLEINE WOLF ist für jede Aktivität zu haben - ausser manchmal für Geschirrspülmaschine ausräumen. Er legt gerne weite Strecken zurück, auch in Wander- oder Schlittschuhen - und jagt unermüdlich nach süssem Naschwerk. Ab und zu knurrt er grimmig, heult wild und zeigt die Zähne. Macht aber gar nichts. Der LIEBSTE schliesslich ist eben einfach der Liebste. Meistens jedenfalls. Ferner wären da noch das überaus treue SCHLECHTE GEWISSEN. Und natürlich ERNST...

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