Freitag, 22. Januar 2010

erkenntnis

Vielleicht rede ich so viel, weil ich nichts zu sagen habe.

Donnerstag, 21. Januar 2010

wortlos

Geh weg. Sage ich zu Ernst. Er sitzt auf unserem neuen Sofa und lächelt süffisant. Die Gelassenheit hockt auf dem alten Holzschemel und schweigt. „Nun.“ sagt Ernst und ich will ihm gar nicht zuhören aber es nützt nichts. „Woher dann solche Tage? Die Kinder bringen miese Noten heim und alle Ermahnungen fallen welk zu Boden, kaum haben sie Deinen Mund verlassen, weil Du selber traurig den Staub auf der Treppe anschaust und Dich über die fast nicht mehr funktionierende Heizung frostig blau ärgerst, jedenfalls an den Füssen, jedenfalls beinahe.“
„Hm.“ sagt Ernst weiter und ignoriert die Gelassenheit, die jetzt milde lächelt und ich denke böse, dass sie mir jetzt mal gestohlen bleiben kann mit ihrem ewigen: das ist doch nicht so wichtig. Es ist eben doch wichtig, denn wer sonst macht sonst Arbeit 1 und 2 und putzt das alte, schöne, aber ewigstaubige Haus und kauft Äpfel ein und Milch und noch ein paar andere Sachen und wäscht und redetundredetundredet. Lao-Tse mahnt ja auch zum Schweigen, aber der Liebste schweigt schliesslich schon genug und wer sonst ermuntert zum Lernen und zum Schlagzeugüben und liest vor und kündigt die nahende Schulstunde an und badet genüsslich plätschernd im Selbstmitleid? Wer? Ernst lacht laut und zuckt die Achseln, die Gelassenheit lächelt vergeistigt. Die hat ja auch keine Ahnung, denke ich und schaue böse. Vor lauter Wut im Bauch kann ich nicht schlafen und auch sonst kommt man zu nichts. Drogen kommen nicht in Frage, ich bin zu vernünftig, insgeheim, und scheue Kater und Kontrollverlust gleichermassen. Vielleicht Sport? Das würde Dir so passen, sage ich trotzig zur Gelassenheit, vielleicht später. Und so sitzen wir, stundenlang, und schauen einander an. Es nützt ja doch nichts.

Mittwoch, 20. Januar 2010

Denkstoff

"Sind Hooligans dümmer oder Nazis?" lautete heute früh um sieben des kleinen Wolfes Morgenfrage.

Freitag, 15. Januar 2010

tief durchatmen

Ach, der Alltag. Und da kommen noch welche und sagen lächelnd "carpe diem" und man möchte ihnen den ganzen Krasunkel gleich um die Ohren...Aber vielleicht ist es nur der Januar, dieser arme Monat, den niemand so richtig mag. Und wenn man so ganzganz ehrlich ist, holt einem der Krasunkel ja nur einfach ein, weil man ihn den ganzen Dezember kurzerhand auf die lange Bank geschoben hat, zugunsten von Arbeit 2 und Gelassenheit. Ha, die Gelassenheit! Ein launischer Gast. Schon sitzt sie mit Ernst tuschelnd in einer Ecke. Wahrscheinlich lässt sie sich überreden, ihm wieder das Feld zu überlassen.
Da haben wir aber auch noch ein Wörtchen mitzureden.

Mittwoch, 6. Januar 2010

...

Ein grosses Buch zu Ende. Ich werde morgen die Schränke aufräumen müssen. Die Fenster putzen. Das Altpapier bündeln, irgendwas. Es ist ähnlich wie ein Kater, nur leer.

Sonntag, 3. Januar 2010

augenblick mal!

Mit Mascara habe ich bisher nur wenige Erfahrungen gesammelt. Ohnehin schminke ich mich nur wenig, seit langem gänzlich ohne Wimperntusche, weil mir diese bereits nach wenigen Sekunden statt betörende Augenblicke Fliegenbeine und Waschbärenaugen bescherte (Fliegenbeine, so las ich wiederholt in Zeitschriften, nennt man die kleinen schwarzen Strichlein, die sich nach dem ersten Blinzeln mit vertuschten Wimpern auf den Wangen abzeichnen und dann zu schwarzen, hässlichen Flecken verschmelzen.) Keine Wimperntusche also, all die Jahre.

Gestern aber wollte ich Glamour in meinem Leben haben. Vielleicht ein irregeleiteter Neujahrsvorsatz? Lidschatten und ein glamouröses Lächeln hatte ich heimlich jeweils nach dem Lavaboputzen im Badezimmerspiegel geübt, jetzt musste bloss noch ein neuer Lippenstift her. Und Wimperntusche. Keine Drogerieberatung, beschloss ich, keine Dame, die mir nicht nur eine geeignete Mascara empfehlen, sondern mich auch noch auf die Segnungen von Faltencreme, Augenringabdeckstift und straffenden Lotionen für reife Haut hinweisen würde. Ich wagte es als Autodidaktin. Ich hatte ja keine Ahnung.

Wimperntusche, so lernte ich nach 2,1 Sekunden, war gestern. Heute gibt es lauter ultimative Produkte, High-Tech in kleinen Kunststoff-Fläschchen, mit deren Entwicklung Heerscharen von Forschern, Kosmetikern und Werbefachleuten ihr Einkommen fristen. Die Preise der schwarzen Augenpampe waren entsprechend. Es gab, so lernte ich weiter, tränen- und wasserfeste Mascara, die garantiert 24 Stunden auf meinen Wimpern haften würde. Für die Entfernung der Schminke – denn ich bleibe heutzutage eher selten 24 Stunden am Stück wach und glamourös - bräuchte ich also 2 Stunden und mindestens fünf Abschminkprodukte plus neue Kontaktlinsen. Also lieber die vibrierende Mascara? Nach über 5 Jahren Forschung, 7 Patenten (Konzept, Applikator, Formel, Abstreifsystem und Motor) über 1000 Tests auf 5 Kontinenten ist Pulse Perfection die ultimative technologische Lösung für Wimpern, die einfach alles wollen!, hiess es auf der Verpackung.

"Wollt ihr alles haben?“, flüsterte ich meinen Wimpern zu. Sie klimperten nur affektiert. Ich las weiter auf den Fläschchen: Long & Sensitive? Oder lieber Ultimate Boosting? Und dann die Farbe, verdammt. Fascinating Violet? Extreme Blue? Oder Curved - Ultra Black - 3 Style? "Wenn schon, dann gleich Lash Queen", kicherte ich hysterisch und die beiden Teenies neben mir beim Lipgloss warfen mir verstörte Blicke zu. "Black - Ideal Revolution!",sagte ich, ziemlich laut, und die Teenager entfernten sich eilig. Ich rief: "Recourbe Cils Chauffant – Thermo-Wimpernbürste? Volume Nanodefinition?", und fegte ein paar Parfümfläschchen vom Regal nebenan. Eine Dame im weissen Kittel kam auf mich zu. "Telescopic Explosion?!", schrie ich, "oder Navy Mistake Proof Mascara?"

Die Dame hielt, so sah ich jetzt, eine Spritze in der Hand und sprach mit sanfter Stimme auf mich ein. Ich brach in Tränen aus. Volcano Mascara, unbedingt waterproof , dachte ich. Und hielt der Dame meinen Arm hin.

Freitag, 25. Dezember 2009

alte schunken

Apropos Bilder: Drei Nüsse für Aschenbrödel sind ja ganz nett. Aber das hier verstärkt das chamäleonsche Weihnachtsgefühl viel mehr. Und Sandokan, aber davon ein andermal. Der Bär weiss das und schaute soeben tapfer die erste halbe Stunde tapfer mit, wie Michael Strogoff den Brief des Zaren durch die feindlichen Linien schmuggelt. Bis der Wolf dazukommt und sagt: "Das ist ja voll krass der megaalte Film!" Der Bär schont meine nostalgischen Gefühle und antwortet beflissen: "Aber er ist wenigstens nicht schwarzweiss."

Sonntag, 20. Dezember 2009

bildersturm

Man hat ja ständig Bilder im Kopf, je nach Bedarf in nostalgischem Sepia, sanften Pastelltönen oder aber fröhlich bunt. Man sucht zum Beispiel, endlich, ein neues Sofa aus und sieht sich (Pastell), mit Wolf und Bär und Liebstem darauf fläzend, sich in Harmonie ein bisschen aneinander kuschelnd, fröhlich witzelnd einen Film schauen zusammen. Oder man hilft jemandem beim Umziehen, und stellt sich vor (fröhlich bunt), wie alle Helfer im Anschluss zusammen Spaghetti essen - eine Oase der Harmonie inmitten von Zügelkisten. Oder man kauft Weihnachtsgeschenke ein für Wolf und Bär, stellt sich vor, wie sie sich freuen werden und erinnert sich (Sepia) an die Weihnachten der eigenen Kindheit mit fiebriger Vorfreude auf das Christkind.

Natürlich ist dann alles ganz anders. Der Liebste uns ich werden uns garantiert streiten, wenn das Sofa geliefert wird und nicht so aussieht, wie im Laden und in unseren Köpfen. Und der Film? Der Bär will endlich Herr der Ringe sehen und der Wolf darf noch nicht und fühlt sich deswegen unwohl, sie werden einander wüste Namen geben, ich werde einen Grossteil meiner Erziehungsgrundsätze in Frage stellen und der Liebste wird entnervt die Augen verdrehen. Beim Umzug gibt es schon während der Kistenschlepperei Streit, weil alle müde und genervt sind, man verschwindet, ohne sich zu verabschieden und die Spaghetti verkochen ungekocht. Die Weihnachtsgeschenke schliesslich – wann ist man je sicher, ob die Freude wirklich echt ist oder die Kinder zu verwöhnt? Und etwas bange schaut man dem Fest entgegen, weil man weiss: das Konfliktpotential unter dem Christbaum ist ungleich grösser als beim Zügeln.

Am besten bleibt man deshalb sachlich, übt sich in mitfühlendem Schweigen und ersetzt die tückischen Bilder im Kopf durch harmonisches Schneegestöber.

Denkzettel

Gestern gelernt: Wenn zwei sich streiten, soll die Dritte einfach nur die Schnauze halten.


gelesen:


Michael Robotham
Sag, es tut dir leid


Simone Buchholz
Bullenpeitsche


John Williams
Stoner


Stephen King
Doctor Sleep


Paul Auster
Winter Journal

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Das CHAMÄLEON wechselt natürlich ständig die Farbe. Es läuft öfters rot an vor Wut wenn es wieder einmal an allem schuld sein soll, wird höchstens gelb vor Neid wenn es Reiseberichten anderer Leute zuhört oder ist ab und zu blau, weil es immer mal wieder die Luft anhalten soll. Der KLEINE BÄR ist mittlerweile gar nicht mehr sooo klein und muss derzeit hauptsächlich mit List und allerlei Tücke von seinem Nintendo Wii weg und zu den übrigen Freuden des Lebens hingeführt werden. Er verbringt gerne viel Zeit in seiner kuschligen Bärenhöhle und hält Schule für eine schlimme Verschwendung seiner Zeit. Der Bär ist von sanftem Charakter, aber ausserdordentlich eigensinnig. Und manchmal brummt er gehörig. Der KLEINE WOLF ist für jede Aktivität zu haben - ausser manchmal für Geschirrspülmaschine ausräumen. Er legt gerne weite Strecken zurück, auch in Wander- oder Schlittschuhen - und jagt unermüdlich nach süssem Naschwerk. Ab und zu knurrt er grimmig, heult wild und zeigt die Zähne. Macht aber gar nichts. Der LIEBSTE schliesslich ist eben einfach der Liebste. Meistens jedenfalls. Ferner wären da noch das überaus treue SCHLECHTE GEWISSEN. Und natürlich ERNST...

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