Dienstag, 10. Mai 2011

landleben

Jetzt, wo das Landleben auch bei den hippen Urbanen wieder als schick gilt und alle ihren eigenen Bio-Käse herstellen wollen, kann man sich wieder als Landei outen, ohne gleich mit spöttischen Blicken in die Neandertalerecke disloziert zu werden. Die Urbanen meinen nämlich nicht selten, sie hätten die Kultur, den Stil und das Know-How von wasauchimmer mit den Löffeln verabreicht bekommen und unsereiner würde bloss dumpf in der Damenriege herumblöken, Lieder von Gölä summen und bodenständige Hobbys pflegen. Nein! Wir haben Internet-Anschluss und lesen nicht nur den Landboten. Und unser Leben ist wild und aufregend . Gestern zum Beispiel tobte ein Rehbock durch unseren Garten. Der kleine Wolf, auch in aussergewöhnlichen Situationen cool, rief "Komm! Ein! Reh!" und gemeinsam lenkten wir das panische Tier Richtung Wald. Ein Lieferwagenfahrer, der uns bei diesem Tun erstaunt beobachtete, fragte milde: "Suchen Sie was?" aus dem Fenster. Wir, ganz ländlich-easy: "Ja, ein Reh." Er war sprachlos, echt.
Rehbock_2842009
Foto nicht von uns, sondern von Bernd Niendorf. Danke!

Sonntag, 8. Mai 2011

glück,pur

Nein, es liegt nicht am Muttertag, für den ich übrigens beizeiten den Tarif durchgegeben habe: Blumenpflücken, Kochen oder sonst eine kleine Aufmerksamkeit. Denn von wegen: wir müssten nicht einen, sondern jeden Tag zum Muttertag machen und die Arbeit der Mütter ehren und schätzen. Macht man ja doch nicht, genausowenig wie Weihnachtsgeschenke übers Jahr oder Aufmerksamkeiten statt am Geburtstag an einen x-beliebigen Tag. Nix da: Muttertag ist Muttertag, Geburtstag ist Geburtstag. Zu dieser unflexiblen Einstellung kam ich, als einmal mein Geburtstag vom Wolf und dem Bären glatt vergessen wurde und der Liebste hatte, ähm, kein Geschenk. Aber das ist eine andere Geschichte.
Jedenfalls war dieser Tag das pure Glück, ganz unspektakulär, mit berauschend grünen Blättern über meinem Liegestuhl, einem hypnotisierend blauen Himmel, zwei Büchern.
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Der Wolf überreichte mit mit diesem unvergleichlich liebenswerten Erschafferstolz, den Kinder haben, bevor die zermürbende Selbstkritik des Erwachsenwerdens einem alles ein bisschen weniger perfekt und genau richtig erscheinen lässt, zwei Geschenke (in der Schule gebastelt) und der Bär (zwei linke Hände, deshalb in der Schule mit dem Basteln arg im Verzug) fragte mich jede Stunde "Kann ich etwas für dich tun?". Man geniesst das durchaus, ehrlich gesagt. Und jetzt sind der Liebste und der Bär am Kochen - irgendwas Türkisches.
Manchmal braucht es vielleicht einen klitzekleinen Abstand vom Bekümmertsein um alles, vom bangen Blick auf allerlei Sörgelchen, vom Verantwortlichsein für das möglichst reibungslose Funktionieren der GmbH Familie, vom irgendwas Machen-müssen, jederzeit - um einen dieser Augenblicke puren Glücks mitten im Alltag ein wenig länger als sonst festzuhalten.

Mittwoch, 4. Mai 2011

moneymoneymoney

Über Geld redet man ja hierzulande nicht. Man hat's - oder eben nicht. Ich habe keine Ahnung, was meine Kolleginnen und Kollegen bei Arbeit 2 genau verdienen. Bei Arbeit 3 weiss ich zumindest den Stundenansatz meiner Mit-Arbeitenden.
Zusammengefasst finde ich dieses je nach Höhe des Salärs vornehme oder verschämte Schweigen über dessen Höhe ärgerlich: wie soll man je normal über Arbeit reden können, wenn sich eine Gesellschaft ziert, den ihr via Lohn beigemessenen Wert offen zu beziffern? Warum darf ich nicht wissen, wieviel die Charcuterieverkäuferin verdient, der Direktor meiner Bankfiliale, die Physiotherapeutin nebenan, der Journalist, der täglich viele Zeilen zu meiner Zeitungslektüre beiträgt? Würde ich mich neidisch ärgern, wenn ich wüsste, was mein oberster Chef verdient? Oder würde ich verzagt die Länge seiner Studienzeit und die Anzahl seiner Masters, Bachelors, Diplome und Zertifikate mit meinem Ausbildungsweg vergleichen?
Dass wir niemals offen über Geld reden, hat natürlich damit zu tun, dass wir uns nicht gerne in die Karten schauen lassen: wenn wir wenig verdienen, lässt das Rückschlüsse auf unsere Ausbildung zu. Wenn wir viel verdienen, geraten wir in den Verdacht, zu den Abzockern zu gehören. Dabei scheint mir allerdings manchmal, dass mitterweile vieles so gehörig aus den Fugen geraten ist, dass wir dieses Tabu jetzt endlich mal aufheben können. Längst entspricht der Lohn nicht mehr der Qualität der Ausbildung. Und umgekehrt auch nicht. Wir wissen gar nicht mehr, was ein gerechter Lohn für ehrliche Arbeit genau bedeuten soll. welche Arbeit ist noch ehrlich, welche eigentlich überflüssig? Und sind 12 Franken pro Stunde gerecht? Und 16000 Franken pro Stunde?
In einem Gespräch über Arbeit 2 und das Geldverdienen im Allgemeinen habe ich kürzlich behauptet, mein Lohn diene im Haushalt Liebster/Chamäleon vor allem für Luxusbedürfnisse wie Ferien, Schuhe oder das Gläschen weissen Burgunder unterm Apfelbaum. Man muss dazu wissen, dass ich quasi nicht rechnen kann und das ist keine Koketterie. Heute habe ich Rechnungen bezahlt: Krankenkasse, Dritte Säule, Zahnarzt, Hypothek, die Fähre für die Sommerferien (ha!). Und mich sehr geschämt für meine Äusserung: es waren insgesamt 5234 Franken. Meine Beine zittern noch immer.
Ich meine: der Liebste verdient 5900 Franken. Netto. Ich rund 2100 bei Arbeit 2 inklusive Nebenkanälen und monatlich etwa 500 bei Arbeit 3. Vielleicht sollte man nicht über die Familienfinanzen reden und sie gar verwalten, wenn der kleine Wolf besser rechnen kann als man selber. Jedenfalls: es schmilzt dahin, das Einkommen, als wär's Packeis im Bann der Klimaerwärmung. Und ich sollte meine Diskalkulie therapieren.

Donnerstag, 28. April 2011

Eg x tBP12000Z = Qtds/2

Bei allem Gejammer über die zermürbenden Auswirkungen hartnäckiger Prokrastination: das euphorische Glücksgefühl beim äusserst termingerechten Beenden eines wochenlang aufgeschobenen Projektes entspricht durchaus der quälenden Tiefe der düsteren Selbstvorwürfe, die einem in der Aufschiebungsphase den Schlaf rauben.

Dienstag, 19. April 2011

back home

"Hast Du eigentlich keinen Stand-By-Schalter?", fragt mich der Bär.

Montag, 18. April 2011

kreuzworträtsel

waagrecht: Bezeichnung für das seltsame Gefühl auch nach kleinen Reisen, wenn man sich zwar zufrieden seufzend und frisch gestärkt wieder im Alltag ausbreitet, den trotzigen Rest Fernweh aber ermutigend tätschelt und sich mit sehnsüchtiger Freude die Reisebilder anschaut

senkrecht: Ausdruck für die Müdigkeit, die einem befällt, wenn ein Ereignis, auf das man sich ziemlich lange sehr gefreut hat, hinter einem liegt

Donnerstag, 14. April 2011

farbwechsel

bye bye alltag, hello underground!
London-tube

Sonntag, 10. April 2011

tierisch

Neulich, an Kasse 2: Die Dame zieht flink meine Waren über den Scanner. Ich betrachte derweil fasziniert ihre Haarpracht. Das Deckhaar ist weiss, die untere Schicht schwarz. Die Frau ist sehr freundlich, schaut aber konzentriert-grimmig. Isegrimmig. Sie ähnelt, mit Verlaub, ein wenig einem Dachs. Ich kichere ein bisschen, so innerlich. Und schaue auf ihr Namensschild. Sie heisst: Frau Fuchs.
Dachskopf


gelesen:


Michael Robotham
Sag, es tut dir leid


Simone Buchholz
Bullenpeitsche


John Williams
Stoner


Stephen King
Doctor Sleep


Paul Auster
Winter Journal

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Featuring:

Das CHAMÄLEON wechselt natürlich ständig die Farbe. Es läuft öfters rot an vor Wut wenn es wieder einmal an allem schuld sein soll, wird höchstens gelb vor Neid wenn es Reiseberichten anderer Leute zuhört oder ist ab und zu blau, weil es immer mal wieder die Luft anhalten soll. Der KLEINE BÄR ist mittlerweile gar nicht mehr sooo klein und muss derzeit hauptsächlich mit List und allerlei Tücke von seinem Nintendo Wii weg und zu den übrigen Freuden des Lebens hingeführt werden. Er verbringt gerne viel Zeit in seiner kuschligen Bärenhöhle und hält Schule für eine schlimme Verschwendung seiner Zeit. Der Bär ist von sanftem Charakter, aber ausserdordentlich eigensinnig. Und manchmal brummt er gehörig. Der KLEINE WOLF ist für jede Aktivität zu haben - ausser manchmal für Geschirrspülmaschine ausräumen. Er legt gerne weite Strecken zurück, auch in Wander- oder Schlittschuhen - und jagt unermüdlich nach süssem Naschwerk. Ab und zu knurrt er grimmig, heult wild und zeigt die Zähne. Macht aber gar nichts. Der LIEBSTE schliesslich ist eben einfach der Liebste. Meistens jedenfalls. Ferner wären da noch das überaus treue SCHLECHTE GEWISSEN. Und natürlich ERNST...

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